Umnutzung statt Neubau

  • Der CashCube ist als sogenannte modulare „Diskretkassa“ gestaltet und bildet als Raum-in-Raum-Lösung das Herzstück der zentralen Kassenhalle.© Â© ecophon/Stefan Dworak
  • Der Sparkasse-Standort Mühlbach Ost setzt als erste Bankfiliale das neue Gestaltungskonzept der Sparkasse NÖ Mitte West AG um. © Â© ecophon/Stefan Dworak
  • Die Deckensegel samt integrierter Beleuchtung sind nicht nur wesentliches Gestaltungselement, sondern schaffen gleichzeitig auch akustische Inseln mit reduziertem Grundgeräuschpegel in den einzelnen Funktionsbereichen.© Â© ecophon/Stefan Dworak
  • Lounge samt Kaffeebar für Kundinnen und Kunden sowie Mitarbeitende.© Â© ecophon/Stefan Dworak
  • Für mehr Privatsphäre kann ein Teil der Lounge mittels Vorhängen vom restlichen Raum abgetrennt werden.© Â© ecophon/Stefan Dworak
  • © Â© ecophon/Stefan Dworak

Resiliente Gebäude sind dabei nicht nur widerstandsfähig gegenüber äußeren Einflüssen, sondern auch anpassungsfähig – vor allem in Hinblick auf ihre Nutzung. Die neue Sparkasse-Bankfiliale Mühlbach Ost in St. Pölten ist ein ausgezeichnetes Beispiel für diese Strategie und zeigt, wie man die Nutzung ändert, den Lebenszyklus eines Gebäudes verlängert, dabei gleichzeitig die Energieeffizienz steigern kann – ohne Abstriche in puncto Nutzer*innenkomfort oder Gestaltungsanspruch machen zu müssen.

Ende März dieses Jahres eröffnete die Sparkasse Niederösterreich Mitte West ihre neue Bankfiliale im Fachmarktzentrum Salzer in St. Pölten. Trotz steigenden Online-Geschäfts wird es auch in Zukunft weiterhin Bankfilialen geben, „weil wir auch persönlich für unsere Kunden und Kundinnen verfügbar sein wollen“, erklärt Helge Haslinger, Vorstandsdirektor der Sparkasse NÖ Mitte West. Dafür braucht es ein zeitgemäßes Bank-Ambiente.  

Nicht nur dem Sparschwein zuliebe 

Die ursprüngliche Struktur des Fachmarktgebäudes war auf die Nutzungsbedürfnisse des Einzelhandels ausgelegt: Mit einer großen, durchgehenden Fläche, vorrangig funktionaler Gestaltung und einer simplen technischen Grundausstattung präsentierte sich der Bestandsbaukörper. Anstatt eines Abbruchs und maßgeschneiderten Neubaus entschied sich die Sparkasse für die Transformation des Gebäudes, was einige wesentliche Vorteile mit sich brachte wie zum Beispiel die deutliche Reduktion des Materialverbrauchs und die damit verbundene Schonung baustofflicher Ressourcen durch den vollständigen Erhalt der Tragstruktur und der Gebäudehülle. Gleichzeitig konnte mit dem Verzicht auf die Abrissbirne und den Wegfall der Deponierung von Bauabfällen auch der ökologische Fußabdruck – sowohl in Hinblick auf CO2-Emissionen als auch in Bezug auf den Materialeinsatz – schlanker gehalten werden. Das alles kam natürlich auch dem „Sparschweinderl“ zugute, denn die verkürzte (Um-)Bauzeit und die geringeren In­vestitionskosten spiegeln sich zudem in der Zeit- und Kosteneffizienz-Analyse deutlich positiv wider.    

Technisches Update

Beim Aufrüsten der Technik bestand die zentrale Herausforderung in der Integration moderner technischer Systeme in die bestehende Gebäudestruktur. Neben der Schaffung funktionaler Raumlösungen galt es, auch maximale Energieeffizienz für den Betrieb zu erreichen. Seitens der Haustechnik wurde deshalb eine Lüftungsanlage für die kontrollierte Raumlüftung eingebaut. Für die Wärmeproduktion wird der vorhandene Fernwärmeanschluss genutzt, wobei die Wärmeabgabe über eine Heizdecke bzw. in den Nebenräumen mit Radiatoren erfolgt. Die in den Sommermonaten erforderliche Kühlung der Bankfiliale erfolgt über eine VRF-Anlage (Variable Refrigerant Flow), die eine individuelle Temperaturregelung in jedem Raum ermöglicht. Das VRF-Klimasystem wurde in die bestehende Gebäude- und neue Raumstruktur integriert – ohne wesentliche Veränderungen an der Gebäudehülle vornehmen zu müssen. Auf dem Dach wurde im Zuge des Umbaus zudem die nachträgliche Installation einer Photovoltaikanlage für die Eigenstromerzeugung vorgesehen. 

Gestaltungskonzept 

Der Sparkasse-Standort Mühlbach Ost setzt als erste Bankfiliale mutig das neue Konzept der Sparkasse NÖ Mitte West AG um, welches als Siegerprojekt eines Wettbewerbs hervorging.

Vorrangige Prämisse bei der Innenraumgestaltung war die Schaffung einer Wohlfühlatmosphäre für Mitarbeiter*innen und Kund*innen in der ehemals rein funktionalen Verkaufshalle. Das neue Gestaltungskonzept schafft unterschiedliche Raumzonen und setzt im Design auf das Zusammenspiel von spitzen und stumpfen Winkeln, die sich nicht nur im Grundriss, sondern auch in den Oberflächen und Designelementen wiederfinden. „Das geht bis in die dritte Dimension, wo diese zentralen Gestaltungselemente beispielsweise beim CashCube durch einen Rauten- bzw. Diamanteneffekt in gleichseitige Dreiecke und eine räumliche Struktur aufgelöst werden. Das hat nicht nur eine optische, sondern auch eine schallzerstreuende Wirkung und schafft darüber hinaus die notwendige Privatsphäre bzw. Diskretion, die gerade in einer Bank extrem wichtig ist“, so Dietmar Haberl von GH3 – Grubmüller, Haberl und Partner Architekten, die für die Innenraumgestaltung verantwortlich zeichnen.  

Akustischer Mikrokosmos 

Der CashCube ist als sogenannte modulare „Diskretkassa“ gestaltet und bildet als Raum-in-Raum-Lösung das Herzstück der zentralen Kassenhalle.

Ein wesentliches Stilelement ist neben den immer wiederkehrenden Rauten- bzw. Diamantmustern im Boden- und Wandbereich die maß-geschneiderte Deckengestaltung. In unterschied­lichen Höhen von der Rohbaudecke abgehängt, wirken die einzelnen Elemente nicht nur raum­bildend, sondern verbergen die darunterliegenden Lüftungskanäle, integrieren die Beleuchtung und übernehmen zudem auch die wichtige Funktion der akustischen Raumgestaltung.

Für die großen Flächen kommen ECOPHON ­Clipso So Acoustic Deckensegel zum Einsatz, die dem Raum eine klare und elegante Optik verleihen und sich ohne Nähte fugenlos in das Gesamtkonzept einfügen. Das mikroperforierte Gewebe schafft selbst bei Hochbetrieb mit seinem integrierten Schallabsorber eine deutliche Reduktion des Grundgeräuschpegels.

Entlang des sogenannten „Walk of Fame“, der zentralen Erschließungsachse, wird in den Kassabereichen und Beratungszonen das Deckensegel durch ECOPHON Solo Rectangle ergänzt. Diese Elemente bringen nicht nur geometrische Vielfalt und verspielte Lichtakzente in den Raum, sondern übernehmen auch eine wichtige Funktion bei der akustischen Besucherführung.

Das Ergebnis ist ein harmonisches Zusammenspiel von Ästhetik und Funktion. Die Deckenlösungen schaffen eine angenehme akustische Umgebung und sorgen für ein ruhiges, hochwertiges und zeitgemäßes Raumgefühl – sowohl für Kundinnen und Kunden als auch für Mitarbeitende.    

 ZITAT:
„Beim Aufrüsten der Technik bestand die zentrale Herausforderung in der Integration moderner technischer Systeme in die bestehende Gebäudestruktur. Neben der Schaffung funktionaler Raumlösungen galt es, auch maximale Energieeffizienz für den Betrieb zu erreichen.“                

FAKTEN:

Sparkasse-Bankfiliale Mühlbach Ost
Fachmarktzentrum Salzer,
Stattersdorfer Straße 44c, 3100 St. Pölten

Bauherrin | Bauträgerin: Sparkasse Niederösterreich Mitte West, St. Pölten
Architektur/Innenraumgestaltung: GH3 Architekten ZT GmbH, Wien
Technische Gebäudeausrüstung: KWI Engineers GmbH, St. Pölten
Saint-Gobain Lösungen: Akustikelemente 40 Stk. ECOPHON SOLO Square (in unterschiedlichen Farben) und 7 Stk. ECOPHON Clipso So Aero Deckensegel
Eröffnung: März 2025                                                    Â