Schwimmende Schönheit
Es ist nicht nur eine ingenieursmäßige und technologische Meisterleistung, sondern ein Ort, an dem Luxus und Nachhaltigkeit einander auf Augenhöhe begegnen und die Zukunft des Reisens mit der Natur einen Deal eingeht.
Von Barbara Jahn
Die Anlage des Shebara South Island Resorts, errichtet auf einer abgelegenen Insel, erhebt sich wie ein visionäres Projekt aus dem Wasser. Als Teil der ambitionierten „Red Sea Global“-Entwicklung des Königreichs Saudi-Arabien verkörpert das Resort eine neue Art des Reisens – nachhaltig, technologisch fortschrittlich und architektonisch gewagt. In diesem Jahr wurde es mit dem Grand Prix der 14. Saint-Gobain Trophy ausgezeichnet, einem internationalen Preis, der seit 1998 kreative und innovative Trockenbaulösungen honoriert. Und das aus gutem Grund: Das Shebara Resort ist weit mehr als ein Luxushotel – es ist ein Symbol für ein neues Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur.
Der Komplex versteht sich als architektonische Antwort auf extreme Bedingungen. Entworfen von Killa Design, einem renommierten Architekturbüro aus Dubai unter der Leitung von Shaun Killa – übrigens der kreative Kopf hinter Dubais Wahrzeichen, dem Museum of the Future – und realisiert von Takla Interior Solution LLC aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, gleicht das Resort einer skulpturalen Insel aus futuristischen „Pods“, die wie eine surreale, künstliche Landschaft auf dem Wasser zu schweben scheinen. Ziel war es, ein Hotel zu realisieren, das nicht nur ästhetisch beeindruckt, sondern zugleich respektvoll mit genau dem Ökosystem umgeht, in und auf dem es gebaut wurde. Die Latte zur Erreichung dieses Ziels lag hoch, denn die abgelegene Lage in der Al-Wajh-Lagune, etwa 45 Minuten per Boot vom saudischen Festland entfernt, stellte eine enorme logistische und technische Herausforderung dar. Hoher Winddruck, wechselnde Gezeiten, raue See und ein sensibler Untergrund verlangten nach kreativen Konstruktionslösungen. Doch die Antwort wurde gefunden in Form einer kompromisslosen Kombination aus Vorfertigung, modularer Bauweise und innovativen Trockenbausystemen.
Vorfertigung als Schlüssel zur Nachhaltigkeit
Um die empfindliche Umwelt aus Mangroven, Korallenriffen und Meeresfauna zu schützen, wurden alle 73 luxuriösen Villen außerhalb der Insel, genauer gesagt in Sharjah (VAE), vorgefertigt. Der Transport der teilweise bis zu 120 Tonnen schweren Module erfolgte unter strengsten Umweltauflagen. Die exakten Vorgaben dafür waren klar festgelegt: nahezu keine Materialabfälle, minimaler Eingriff in das Ökosystem und maximale Effizienz vor Ort. Die Rigips Systeme von Saint-Gobain, bekannt für ihre Leichtigkeit und Widerstandsfähigkeit, spielten dabei eine Schlüsselrolle. Sie ermöglichten nicht nur eine präzise Umsetzung der spektakulären geschwungenen Deckenstrukturen, der dramatisch auskragenden Terrassen und insgesamt einer Form, die von der Sensibilität für den Standort und das Klima geprägt ist, sondern sorgten auch für die Haltbarkeit der Außendecken (Gyproc MF Curve-Technologie) und der Trennwände (RIGIPS Glasroc X) angesichts der extremen Windlasten auf offener See von bis zu 3,15 kPa – ohne dabei Kompromisse bei Design oder Stabilität einzugehen.
Die über dem Wasser schwebenden Überwasser-Villen mit ihren polierten Edelstahlfassaden sind inspiriert von natürlichen Formen und Bewegungen und reflektieren dabei die wechselnden Farben von Himmel, Meer und Sonnenlicht. Dabei ähneln sie mit ihren geschwungenen, verspiegelten Silhouetten einer Perlenkette, die über den Wellen schwebt. „Wir wollten den Himmel, die Lagune und die Korallen darunter widerspiegeln – egal, ob bei Sonnenaufgang, an einem bewölkten Tag oder bei orangefarbenem Himmel, sie verändern sich ständig“, sagt Killa. „Sie fügen sich in die Natur ein, obwohl sie sehr futuristisch sind.“ Das Ergebnis ist ein sich ständig veränderndes Spiel aus Licht und Reflexion, das die futuristischen Strukturen auf fast poetische Weise mit der Natur verschmelzen lässt. Doch das Design beeindruckt nicht nur optisch. Es folgt einem konsequenten ökologischen Konzept: Das gesamte Resort wird von Solarpaneelen mit einer Fläche von rund 93.000 Quadratmetern versorgt, angelegt als Park, den die Gäste mit ihren Fahrrädern erkunden können. Eine eigene solarbetriebene Entsalzungsanlage versorgt die Anlage mit Trinkwasser, und die energieeffiziente Gebäudehülle trägt zur LEED-Platin-Zertifizierung bei. „Wir möchten, dass die Menschen begeistert sind von der Tatsache, dass sie sich auf einer Insel befinden, die zu 100 Prozent mit Sonnenenergie versorgt wird”, meint Killa stolz.
Präzision bis ins kleinste Detail
Die Umsetzung des Projekts verlangte nicht nur architektonisches Können, sondern auch höchste Präzision in der Bauausführung. Eine der größten Herausforderungen war die komplexe Deckenwölbung in den Innenräumen der Villen. Durch den innovativen Einsatz von Holzformen, Sperrholzstreifen und hintereinander angeordneten GA1-Winkeln konnte eine nahtlose, gleichmäßige Krümmung realisiert werden – eine wahre Meisterleistung angesichts der klimatischen Bedingungen und Logistik. Zusätzlich mussten alle Bauteile so geplant werden, dass sie modular transportierbar, sturmresistent und korrosionsbeständig waren. Hier erwies sich die enge Zusammenarbeit zwischen Saint-Gobain und Takla Interiors als entscheidender Erfolgsfaktor: Gemeinsam entwickelten sie Lösungen, die sowohl den hohen ästhetischen als auch technischen Anforderungen gerecht wurden und dabei termingerecht und unfallfrei umgesetzt wurden.
Luxus trifft Verantwortung
Das Shebara Resort definiert Luxus neu. Hier geht es nicht um protzige Exzesse, sondern um eine neue Form der achtsamen Gastfreundschaft. Die „Pods“ bieten ein immersives Naturerlebnis mit Blick auf die farbenprächtige Unterwasserwelt – von Meeresschildkröten bis zu leuchtenden Korallenbänken. Gleichzeitig sind sie ausgestattet mit umweltbewussten Materialien, darunter RIGIPS Glasroc X für Feuchtigkeitsbeständigkeit und RIGIPS Habito, die für Langlebigkeit und Wohnkomfort sorgen. Das Gästeerlebnis steht im Zentrum – jedoch nicht auf Kosten der Umwelt. Jeder Aspekt der Anlage – vom schwimmenden Fundament über die energieeffiziente Klimatisierung bis hin zur autarken Energieversorgung – folgt einer zentralen Philosophie: Harmonie mit der Natur bei gleichzeitigem technologischem Fortschritt.
Gleichzeitig zeigt Saudi-Arabien mit dem Shebara South Island Resort ein neues Gesicht, nämlich abseits von fossilen Ressourcen und hin zu grüner Innovation und nachhaltigem Tourismus. Die Wahl des Projekts zum Grand-Prix-Gewinner der Saint-Gobain Trophy unterstreicht die internationale Bedeutung des Resorts – nicht nur als architektonisches Meisterwerk, sondern als Modell für verantwortungsvolle Zukunftsgestaltung. In einer Welt, die zunehmend nach umweltfreundlichen Lösungen verlangt, setzt Shebara ein klares Zeichen: Luxus und Nachhaltigkeit müssen sich nicht ausschließen – im Gegenteil, sie können sich auf beeindruckende Weise ergänzen.
ZITAT:
„Wir wollten den Himmel, die Lagune und die Korallen darunter widerspiegeln – egal, ob gerade Sonnenaufgang ist, ein bewölkter Tag oder ein orangefarbener Himmel.“
Shaun Killa, Killa Design
„Shebara ist ein Beispiel für bedeutungsvolles Design, bei dem Architektur in die Natur übergeht. Mit ökologischen Materialien, lichtreflektierenden Pods und mondorientierten Villen würdigt es die natürliche Schönheit und definiert gleichzeitig modernen Luxus neu.“
Shaun Killa, Killa Design
Killa Design, Dubai
• 2015 gegründet von Shaun Killa, geboren und aufgewachsen in Südafrika
• Studium Architektur an der University of Cape Town (Bachelor of Architectural Studies (B.A.S.) und Bachelor of Architecture (B. Arch)
• seit 1998 in Dubai, Tätigkeit bei Atkins
• mehrfach ausgezeichnet als „Most Powerful Middle East Architect“
• Architizer A+ Awards – „Best Young Firm“
• aktuell ca. 120 Mitarbeiter
Auswahl Projekte:
2017 Office of the Future – erstes dauerhaft genutztes 3D‑gedrucktes Gebäude
2022 Museum of the Future
2025 Jumeirah Marsa Al Arab (Hotel)
Philosophie:
Nachhaltigkeit, niedriger CO2-Fußabdruck, innovative Formen, die Grenzen des Architektonischen hinterfragen
FAKTEN:
Shebara South Island Resort
Vereinigte Arabische Emirate
Bauherr: Red Sea Real Estate Company
Architektur: Killa Design
Konstruktion Edelstahl-Pods: Grankraft Industries LLC
Trockenbau: Takla Interior Solution LLC
Interior Design: Studio Paolo Ferrari, Toronto
Technische Ausstattung: Entsalzungsanlage, Solaranlage, zirkuläres Entsorgungsmanagement
Saint-Gobain Lösungen:
GYPROC/RIGIPS Habito, Duraline und Glasroc X
Baubeginn: 2023
Fertigstellung: 2025
Verbaute Fläche: 20.560 m2
Anzahl Zimmer: 38 Villen und 35 Suiten
Zertifizierung: LEED
Noch mehr Eindrücke finden Sie unter www.shebara.sa/en/

















