Interview: DI (FH) Heinz Karelly: Holz, hoch, Haus

  • Riverside – Leben am Fluss
    Riverside – Leben am Fluss
    © Architekturbüro Katzenberger
  • Roseggerweg in Kindberg
    Roseggerweg in Kindberg
    Die Projekte Roseggerweg in Kindberg (links) und Riverside – Leben am Fluss (rechts) zeigen, welchen Weg die Brucker Wohnbau- und Siedlungsvereinigung architektonisch eingeschlagen hat.© Architekturbüro 3plus
  • DI (FH) Heinz Karelly
    DI (FH) Heinz Karelly
    Vorstand und Obmannstellvertreter der Brucker Wohnbau- und Siedlungsvereinigung© 

Dass man hier auch architektonisch mit der Zeit geht, beweisen eindrucksvolle Projekte wie das Riverside – Leben am Fluss in Kapfenberg-Diemlach, wo im Herbst 2020 bereits der zweite Bauabschnitt fertiggestellt wird, oder die fünf Wohnhäuser am Roseggerweg in Kindberg, die im Frühjahr 2021 bezogen werden können. Eines wird bald klar: Holz spielt dabei eine tragende Rolle. Vorstand und Obmannstellvertreter DI (FH) Heinz Karelly erzählt im Interview mit WEISS über den Baustoff Holz, gutes Wohnen und die Zukunft der beiden.

Von Barbara Jahn

Weiss: Brucker Wohnbau errichtet seit den 50er Jahren Lebensräume für Menschen. Wie hat sich der Wohnbau in diesen rund 70 Jahren in Ihren Augen entwickelt?  

Heinz Karelly: Der Wohnbau entwickelte sich vom reinen Zweckbau zur dringend notwendigen finanziell leistbaren Wohnraumschaffung bis hin zum modernen, individuell gestalteten Wohnen mit hohem Erholungswert im überschaubaren Preissegment.     

Weiss: Wie gehen Sie an Ihre Projekte heran? Was hat oberste Priorität?

Heinz Karelly: Oberste Priorität hat für uns ­immer ein hoher Qualitätsstandard, der zu leistbaren Preisen angeboten wird.

Weiss: Wenn Sie ein Projekt entwickeln, holen Sie sich immer einen Architekten an Bord, oder planen Sie auch im Haus?

Heinz Karelly: Wir arbeiten ausschließlich mit Architekturbüros zusammen beziehungsweise schreiben eigene Architekturwettbewerbe aus. 

Weiss: Wie sieht die Zusammenarbeit mit dem Architekten aus? Wie viel freie Hand können Sie ihm lassen?    

Heinz Karelly: In unserer Zusammenarbeit mit den Architekten müssen unbedingt sämtliche förderbaren Kostenbereiche eingehalten werden. Was die Architektur betrifft, gibt es von unserer Seite keinerlei Einschränkungen – da haben die Architekten ziemlich freie Hand.  

Weiss: Die meisten Projekte, auch die jüngeren, sind zwei- bis viergeschoßig. Warum jetzt so hoch hinaus? Welche Idee steckt dahinter?     

Heinz Karelly: Ein Hochhaus ist vor allem ressourcenschonend, insbesondere ein interessantes Modell für die Nachverdichtung im innerstädtischen Bereich.     

Weiss: Sie bezeichnen das achtgeschoßige Wohn­hochhaus aus Holz als „Leuchtturmprojekt“. Sehen Sie sich da in einer regionalen Vorreiterrolle?     

Heinz Karelly: Wir sehen uns hier auf jeden Fall in diesem Bereich in einer Vorreiterrolle. Das Wohn­hochhaus ist in dieser Dimension eine große Herausforderung, vor allem in dieser Region.               

Weiss: Die Ansprüche der Kunden an ihr privates Lebensumfeld sind hoch. Womit kann man Menschen heute begeistern?     

Heinz Karelly: Für uns ist guter Wohnbau immer eng mit innovativer Architektur und hoher Lebensqualität verknüpft. Beides ist wichtig, um sich von der breiten Masse abzuheben.                                                                                                                                     

Weiss: Was bedeutet „Holz“ als Material für Sie und welche Zukunft sehen Sie für den Holzbau?      

Heinz Karelly: Wir setzen in letzter Zeit fast ausschließlich Projekte in Holzbauweise um. Der Holzbau wird in Zukunft den Massivbau vermutlich nicht ganz ablösen, aber diesem sicherlich auf Augenhöhe begegnen.

Weiss: Sind Sie mit dem Holzhochhaus nun auf den Geschmack gekommen, mehr davon zu planen? Worauf dürfen sich denn die Wohnungssuchenden freuen?      

Heinz Karelly: Wir bauen zurzeit hauptsächlich in Holz, denn es hat viele Vorteile wie etwa eine raschere Bauzeit, ein angenehmes Raumklima, zudem ist es ein nachwachsender Rohstoff und bietet als Oberfläche immer eine ansprechende Optik. Wir werden auch weiterhin attraktive ­Architektur, gepaart mit zeitgemäßen Raumlösungen in Verbindung mit angenehmem Wohnklima realisieren.

 

Brucker Wohnbau- und Siedlungsvereinigung

Die Brucker Wohnbau- und Siedlungsvereinigung ist eine Genossenschaft und wurde am 9. Jänner 1951 gegründet. Ihr Tätigkeitsschwerpunkt liegt im Bezirk Bruck/Mur. Schon im Jahre 1952 wurden die ersten Wohnhäuser in der Siedlung Westend fertig gestellt und den Mietern übergeben.
Bis Ende 1961 entstanden so 202 Wohneinheiten in einer Zeit, in der entsprechender Wohnraum zu den Grundbedürfnissen der Menschen gehörte.
Von Anfang an war das genossenschaftliche Ziel die Errichtung und Verwaltung von Wohnraum für die Mitglieder.
Im Jahr 2017 wurde die „Gemeinnützige Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft AUSTRIA DRAHT GmbH“ in „Gemeinnützige ZUWO Zufrieden Wohnen GmbH“ umbenannt.
Durch die Übernahme von Gemeindehäusern verschiedener Kommunen des Bezirkes sind heute fast 4.000 Wohneinheiten zu betreuen.