Kunstvolle Hülle mit künstlerischem Inhalt

  • Kunstmeile Krems
    Kunstmeile Krems
    Architektonische Landmark: Im Erdgeschoß fügt sich das Gebäude in die Ordnung der Stadt ein, das oberste Geschoß ist um 30 Grad gegenüber der Grundfläche verdreht.© Faruk Pinjo
  • Pailettenkleid:
    Pailettenkleid:
    Die Fassade wurde mit über 7.200 silbergrauen Zinkschindeln bedeckt.© Faruk Pinjo
  • Architektonische Landmark:
    Architektonische Landmark:
    Im Erdgeschoß fügt sich das Gebäude in die Ordnung der Stadt ein, das oberste Geschoß ist um 30 Grad gegenüber der Grundfläche verdreht.© Faruk Pinjo
  • Die beiden Stiegenhäuser bilden den tragenden Kern der Betonskulptur.© Faruk Pinjo
  • Die Kunst der Übergänge:
    Die Kunst der Übergänge:
    Die riesigen, schräg gestellten Glaswände schaffen einen fließenden Übergang zwischen innen und außen. Der Innenausbau stellte mit seinen runden, asymmetrischen Anschlüssen eine Heraus­forderung für den Trockenbauer dar.© Lachlan Blair_www.LOXPIX.com

Dem Besucher öffnet sich das Gebäude mit lichtdurchfluteten Bögen, von wo aus ein Parcours durch die über 3.000 Quadratmeter große Ausstellungsfläche auf vier Geschoßen führt und im Präsentationsbereich im Untergeschoß endet.

„Wenn ich Kunst sage, meine ich das Ganze“, prangt in großen Lettern im Außenbereich der neuen Landesgalerie Niederösterreich. Der Schriftzug am Zugang zur im Mai dieses Jahres eröffneten Landesgalerie ist eine Kunstintervention im öffentlichen Raum vom in Krems geborenen bildenden Künstler Leo Zogmayer und steht programmatisch für Inhalt und Hülle des Gebäudes.   

Eine Meile Kunst

Die neue Landesgalerie bildet gemeinsam mit der Kunsthalle und dem Karikaturmuseum das neue Zentrum der Kunstmeile Krems, die ihren Namen tatsächlich der rund 1,6 Kilometer langen Wegstrecke zwischen der Minoriten- und der Dominikanerkirche verdankt. Zwischen den beiden historischen Wahrzeichen der Stadt am Tor zur Kulturlandschaft Wachau reihen sich dicht an dicht eine Vielzahl an Museen und Galerien, die ergänzt um jährliche Kunst- und Musikfestivals ein ebenso umfang- wie abwechslungsreiches Kulturangebot bieten. Dabei treffen historisches Ambiente, moderne Architektur und zeitgenössische Kunstformen aufeinander und verschmelzen zu einem einzigartigen Angebot, das weit über die Landesgrenzen hinaus ein Anziehungspunkt für Touristen und Besucher ist. 

Windschiefer Kubus

Über 60 Architekten beteiligten sich im Jahr 2014 am europaweiten Wettbewerb, den das Land Niederösterreich für die Errichtung des neuen Gebäudes ausgeschrieben hatte. Als Sieger ging das Vorarlberger Architekturbüro marte.marte Architekten ZT GmbH hervor, das mit ihrem verdrehten Kubus die Gunst der Jury gewinnen konnte. „Mit großer Präzision wird eine architektonische Landmark, eine tänzerische Skulptur geschaffen, die durch Signifikanz und Eigenständigkeit besticht sowie den Stadtraum neu choreografiert“, fasst Jury-Vorsitzende Elke Delugan-Meissl die Qualitäten des Wettbewerbsbeitrags von Stefan und Bernhard Marte zusammen.

Dabei ist die Gebäudeform alles andere als beliebig, sondern vielmehr der räumlichen Umgebung inmitten der Kremser Altstadt geschuldet, wie Architekt Bernhard Marte erklärt: „Für uns war es wichtig, dass sich diese besondere räumliche Situation hier an der Donau im Projekt widerspiegelt.“ Im Erdgeschoß fügt sich das Gebäude in die Ordnung der Stadt ein, das oberste Geschoß ist um 30 Grad gegenüber der Grundfläche verdreht und parallel zur Donau hin ausgerichtet. Mit einer Dachterrasse in Form eines aus der verdrehten Kubatur ausgeschnittenen Quaders, dessen Ausrichtung jener des Erdgeschoßes folgt, wird hier der Blick auf Fluss und Landschaft zelebriert. Optisch zusätzlich verstärkt wird die Drehung durch die nach oben hin abnehmende Seitenlänge von 33 auf 30 Meter.  

Die Kunst des Übergangs

Im Kontrast zur Gebäudehülle dominiert im Inneren eine streng rechtwinkelig und symme-trisch aufgebaute Raumstruktur. Der Übergang von Asymmetrie zur Symmetrie stellte das ausführende Trockenbauunternehmen baierl + demmelhuber vor große Herausforderungen: Kein Winkel und keine Fläche gleichen dem bzw. der anderen. So sind beispielsweise die Ein- bzw. Ausgänge an jeder der vier Seiten des Gebäudes durch einen Windfang geschützt. Wie das Innere des Gebäudes sind auch die vier Windfänge absolut rechtwinkelig und symmetrisch aufgebaut. Im Zuge des Innenausbaus galt es, Übergänge und Verbindungen zwischen dem symmetrischen Innenraum und der asymmetrischen Hülle zu schaffen. So wurden ausschließlich individuelle und spezialangefertigte Bauteile und Konstruktionen verwendet. Zusätzlich waren höchste Anforderungen an den Brandschutz sowie den Einbruchsschutz zu erfüllen. Immerhin beherbergt das Gebäude als zentraler Bestandteil der Landessammlungen Niederösterreich knapp 100.000 Einzelobjekte vergangener Jahrhunderte bis in die Gegenwart. Dazu kommen immer wieder Exponate mit hohem Sachwert und von kulturhistorischer Bedeutung, die einen besonderen Schutz erforderlich machen.

Maßarbeit im Innenausbau

Durch den Einsatz von RIGIPS Habito Bauplatten konnte RC3 Einbruchsschutz gewährleistet werden. Entgegen des gewohnten Arbeitsablaufes wurde konsequent von oben nach unten gearbeitet, um auch schmale und verwinkelte Stellen fachgerecht auszubauen und die erforderlichen Zertifizierungen garantieren zu können. Außerdem war eine exakte zeitliche Abstimmung mit anderen Gewerken erforderlich. So konnten beispielsweise die Lüftungsklappen erst nach der Fertigstellung des Trockenbaus in die Brandschutzschächte eingesetzt werden.

High-tech-Vermessung

Zum Leistungsspektrum des Trockenbauers zählte auch das Versetzen zahlreicher spektakulärer Glaselemente, die in den trockenen Innenausbau integriert werden mussten. Eine Herausforderung waren auch die gebogenen Glasflächen im Eingangsbereich. Die asymmetrischen Aussparungen wurden mit 3-D-Lasertechnik vermessen, um die entsprechenden Glasflächen passgenau zu produzieren und zu versetzen.   

Museum im Paillettenkleid

Handwerkliche Kunstfertigkeit erforderte die Fassadenbekleidung, die aus insgesamt 7.200 matten, silbergrauen Zinkschindeln besteht. Die Wahl für das Material erfolgte nach sorgfältiger Bewitterung, in deren Rahmen fünf unterschiedliche Muster-Zinkschindeln über Monate auf ihre Wetterbeständigkeit und Langlebigkeit geprüft wurden. Für die Ausführung und Montage zeichnete das niederösterreichische Unternehmen Heinrich Renner GmbH verantwortlich. Die Wahl auf den Baustoff Zink fiel dabei nicht nur aufgrund der hohen Witterungsbeständigkeit, sondern vor allem auch, weil sich die einzelnen Zinkschindeln gut verformen lassen. Zusätzlich punktete der Baustoff Zink aber auch durch seine durchwegs gute Energie-bilanz sowie die Tatsache, dass Zink eine Patina ansetzt und somit eine nahezu wartungsfreie Oberfläche bildet, die wie ein Schutzschild auf der Oberfläche wirkt.  

Das Video zum Bau:
www.marte-marte.com/projekt/landesgalerie-niederoesterreich

Zitate:
„Für uns war es wichtig, dass sich diese besondere räumliche Situation hier an der Donau im Projekt widerspiegelt.“
Architekt Bernhard Marte, marte.marte Architekten         

„Mit großer Präzision wird eine architektonische Landmark, eine tänzerische Skulptur, geschaffen, die durch Signifikanz und Eigenständigkeit besticht sowie den Stadtraum neu choreografiert.“
Elke Delugan-Meissl, Jury-Vorsitzende

 

FAKTEN:
Landesgalerie Niederösterreich
Steiner Landstraße 1, 3500 Krems an der Donau

Bauherr: Artes Grundstücksvermietungs GmbH, 3100 St. Pölten
Projektauftraggeber: Amt der NÖ Landesregierung (Abteilung Gebäudeverwaltung/Abteilung Kunst und Kultur), 3100 St. Pölten     
Architektur: marte.marte Architekten ZT GmbH, 6800 Feldkirch
Betreiber: Kunstmeile Krems Betriebs GmbH, 3500 Krems an der Donau

Grundstücksfläche: 2.500 m2
Grundfläche: ca. 33 x 33 m
Gebäudehöhe: 21,5 m
Ausstellungsfläche: 3.000 m2
Konstruktionsart: Stahlbeton-Massivbau mit zusätzlich tragendem Stahlbetonkern für die vertikale Erschließung

Spatenstich: Juni 2016
Baubeginn Hochbau: Juni 2017
Eröffnung: Mai 2019
Gesamtkosten: 35 Mio. €