Lust auf mehr

  • Gründungsmitglieder Architekt Gerhard Kopeinig und Architektin Ingrid Domenig© ARCH+MORE
  • Geschäftspartner Patricie Taftová und Peter Hochkönig© ARCH+MORE
  • Holz, wo immer man hinschaut.
    Holz, wo immer man hinschaut.
    Das mehrfach ausgezeichnete Sanierungsprojekt Bildungszentrum Guttaring hat sich ganz der Nachhaltigkeit verschrieben. Mit heimischen Holzarten wird hier die Vielfalt des nachwachsenden Rohstoffes gezeigt und gleichzeitig seine optischen und akustischen Qualitäten ausgeschöpft, die der hybriden Nutzung als Volks- und Musikschule zugutekommen.© Stefan Rasinger
  • Holz, wo immer man hinschaut.
    Holz, wo immer man hinschaut.
    © Stefan Rasinger
  • Bildungszentrum Guttaring
    Bildungszentrum Guttaring
    © 
  • Wo Kunst und Kultur aufeinandertreffen.
    Wo Kunst und Kultur aufeinandertreffen.
    Mit der Künstlerresidenz S ist ein Stück Kulturgeschichte aus einem langen Dornröschenschlaf erwacht. Mit dem intelligenten Wiedereinsatz von Verwertbarem und der ressourcenschonenden Ergänzung von Materialien ist hier ein gelungener Mix aus Galerie, Atelier und Wohnraum entstanden, der Öffentliches und Privates geschickt durch unterschiedliche Niveaus voneinander separiert und trotzdem nicht voneinander trennt.© Seibald_Rasinger
  • Künstlerresidenz S© Seibald_Rasinger

Atmosphäre schaffen, für alle einen Mehrwert lukrieren, Architektur stets mit Energie-effizienz verbinden und den offenen Diskurs mit allen Projektbeteiligten suchen – all das gehört zur Philosophie des Architekturbüros ARCH+MORE.

Von Barbara Jahn

Als Architekt Gerhard Kopeinig und Architektin Ingrid Domenig im Jahr 2000 ihr gemeinsames Architekturbüro gründeten, war bereits klar, dass ihre Architektur weit über Geplantes und Gebautes hinaus gehen sollte. Das Ineinandergreifen von Meinungen, Kompetenzen und Ideen war von Beginn an der Pulsschlag des Teams, das mit der Zeit immer größer wurde. Es bildete sich ein internationales Netzwerk mit Architekten und Planern aus Deutschland, Italien, Slowenien, Kroatien und weiter bis nach England und sogar Australien, die in regem Austausch ihr Know-how untereinander teilen und einander inspirieren.

 

Mehr zu Ende denken

Ebenso vielfältig wie diese Architekturfamilie ist auch das Portfolio von ARCH+MORE. Das Tätigkeitsspektrum erstreckt sich von Wohnhäusern und Wohnbauten über Gewerbe- und Industriebauten bis hin zu Bauaufgaben im kommunalen und sakralen Bereich. Bei jedem einzelnen Projekt wird die Gestaltung des Gebäudes zur Philosophie des Arbeitens, die sich wie ein roter Faden vom Anfang bis zum Ende hindurchzieht. Dabei werden ganz penibel einige Punkte beachtet, die klar die Handschrift des Architekturbüros kennzeichnen. Dazu gehören beispielsweise einfache und klare Formen, die verständlich bleiben und Sicherheit suggerieren, wobei stets großes Augenmerk auf die Proportionen der Bauvolumina gelegt wird. Gerne bedient man sich einer Elementbauweise, um Projekte ­gegebenenfalls flexibel und modular weiterentwickeln zu können und so die Bauzeit gleichzeitig zu verkürzen. Österreichweit hat sich ARCH+MORE bei der Sanierung von Schulbauten einen Namen gemacht. Gleichsam ­Markenzeichen und Wiedererkennungsmerkmal des renommierten Architekturbüros ist vor allem bei der Schulsanierung der Einsatz von Holzfassaden.

Mehr als ein Wort

Das in diesen Zeiten wohl schon sehr strapazierte Wort „Nachhaltigkeit“ nimmt in dem heute von den vier Partnern Gerhard Kopeinig, Ingrid Domenig-Meisinger, Patricie Taftová und Peter Hochkönig an den Standorten Wien, Linz und Velden geführten Architekturbüro auch eine Rolle ein, die dem „More“ im Namen eine besondere Bedeutung verleiht. Zum einen wird Nachhaltigkeit durch persönliches soziales Engagement gelebt, denn das Team unterstützt caritative Einrichtungen wie beispielsweise das Comeniusheim, Moki oder die Caritas bei Planungsfragen. Zusätzlich ist es ARCH+MORE als Gründungsmitglied von „Architektur Spiel Raum Kärnten“ ein großes Anliegen, das Thema Architektur und Raum an Schüler im Alter zwischen 7 und 18 Jahren heranzutragen: Mit dem Programm „Architektur und Schule“ werden gemeinsam Projekte erarbeitet, die auch öffentlich präsentiert werden. Zum anderen widmet sich das Architekturbüro intensiv den Themen Sanierung und Revitalisierung bestehender Gebäude und Strukturen. Gerade hier hat sich ARCH+MORE in den vergangenen Jahren einen Namen gemacht.

Mehr an Geschichten

Zwei Projekte machen dieses Engagement besonders deutlich: Eine Künstlerresidenz und ein Bildungszentrum haben jeweils ein neues Kapitel in ihrer Baugeschichte aufgeschlagen. Zu neuem Leben erwacht ist das von Bergbau und Handwerk geprägte historische Gebäude, das mitten im Dorf sein Dasein fristete, durch den Umbau zu einem Wohn- und Atelierhaus, bei dem Kunst mit der Architektur verschmilzt. Eingehüllt in einen homogenen Mantel aus Corten-Stahl und gekrönt von einem Glasband, welches das Dach förmlich schweben lässt, bekommt der längliche Baukörper im dörflichen Gefüge eine völlig neue Relevanz. Für die Umsetzung wurde Vorhandenes und Wiederverwertbares wieder in Stand gesetzt, der Rest wurde sparsam und mit Bedacht hinzugefügt. Im Erdgeschoß befinden sich die Galerie und ein Depot – ein halböffentliches Raumgefüge, das den künstlerischen Teil des Projektes in den Vordergrund stellt. Das künstlerische Werk muss nicht ausschließlich ein eigenständiges, vom alltäglichen Leben entferntes Ding sein, welches man vielleicht einmal im Museum bewundert. Es sollte vielmehr integrativer Teil eines täglichen Lebensraumes werden und vor allem diesen mitgestalten. Im Obergeschoß wird in lichtdurchfluteten Räumen gewohnt und gearbeitet, was durch die eingeschnittene Dachterrasse mit Auskragungen auf beiden Seiten zusätzlich in der Verbindung mit dem Außenraum begünstigt wird. Denn jeder Innen- und Außenraum wird vom Menschen gelebt und hat daher eine architektursoziologische Wirkung auf ihn. 

Noch mehr im Einklang 

Die Auszeichnung „klimaaktiv Gold-Standard“ trägt das Bildungszentrum Guttaring, ein 1885 errichteter und 1985 um einen Mehrzwecksaal erweiterter Gebäudekomplex, der mit großer Sorgfalt saniert wurde. Zwei Herzen – nämlich das einer Volksschule mit Tagesbetreuung und jenes einer Musikschule – schlagen hier vereint in einem neuen Ambiente, in dem ganz eindeutig Holz die Hauptrolle übernimmt. Das Gesamtkonzept besteht aus Holzboden, Holzdecke und Wandeinbauten in Holz und wurde in jedem der sechs Räume in einer anderen heimischen Holzart, nämlich Birke, Buche, Fichte, Kiefer, Lärche und Zirbe, ausgeführt. Nicht nur, dass es in der waldreichen Region eine logische Konsequenz sein muss, Holz bei Bauprojekten einzusetzen, so sind es doch auch die besonderen Qualitäten des Holzes, die das räumliche Ambiente der nun multifunktional nutzbaren Räumlichkeiten aufwerten und gleichzeitig als akustischer Klangkörper den Rahmen für die Musik perfekt machen. Eine neue Pelletsheizung, dreifach verglaste Fenster, eine Luftreinigung durch Leinensäcke und eine Kombination aus Wärmetauscher/Erdsolekollektor für vorgewärmte Frischluft machen die ästhetische als auch energetisch perfekte Bilanz komplett. Die vielseitige Verwendung des regionalen natürlichen Rohstoffes Holz ohne chemische Behandlung und damit die Symbiose des Materials aus der Region mit dem historischen denkmalgeschützten Gebäude stellen den unverwechselbaren innovativen Charakter des Projektes dar.  

Zitat:
"Das künstlerische Werk sollte integrativer Teil eines täglichen Lebensraumes werden und vor allem diesen mitgestalten.“
Arch+More

ARCH+MORE
• 2000 gegründet von Gerhard Kopeinig und Ingrid Domenig
• Partnerschaft mit Patricie Taftová und Peter Hochkönig
• Bürostandorte in Wien, Linz und Velden
• Diverse Forschungsprojekte zur Passivhaussanierung
• Mitglied der IG Passivhaus Kärnten
• Vorstandsmitglied des Vereins Architekturtage
• Mitglied im Architekturbeirat Velden

2009 ZT Award, Anerkennungspreis für Energieoptimiertes Sanieren
2010 Ethouse Award für VS Lind ob Velden
2017 Holzbaupreis Kärnten für Haus Sternberg
2019 Holzbaupreis Kärnten, Bauherrenpreis der ZV Österreich für Künstlerresidenz S
2020 klima:aktiv Ehrung für das Bildungszentrum Guttaring