Alles im Fluss
Ganz gleich, ob es sich darum dreht, Vergangenheit und Zukunft, unterschiedliche Lebensräume, Optik und Haptik, Stile, Ideen oder Tradition und Moderne miteinander zu einem neuen Ganzen zu verknüpfen, es ist die Mühe wert. Jeder, der es schafft, diese wichtigen Brücken auf welche Weise auch immer zu bauen, macht die Welt ein Stück besser.
Licht und Wasser
Seit seiner Gründung durch Leon Jakimi steht das glasverarbeitende Unternehmen für die Verzauberung des Augenblicks. Der Fokus liegt dabei auf der Verbindung der Aufgabe, Altes zu bewahren und neue Impulse zu setzen. So besinnt sich die moderne, zukunftsorientierte Glasmanufaktur seiner historischen Wurzeln, die in der jahrhundertealten böhmischen Tradition der Glasverarbeitung liegen und vereint Design und Handwerkskunst. In Zusammenarbeit mit internationalen Designern wie den Brüdern Campana, Kengo Kuma, Yabu Pushelberg, Nendo oder Ross Lovegrove produziert Lasvit beeindruckende Einzelstücke und Installationen sowie außergewöhnliche Beleuchtungskollektionen und Glasobjekte.
Aufgezwungenen Maßstäben in keinster Weise unterworfen, sorgt das tschechische Unternehmen immer wieder für einen regelrechten Wow-Effekt. 2025 ist dies auf der Euroluce in Mailand mit Splash auf ganz besondere Weise gelungen, und zwar mit einer außergewöhnlichen Lichtinstallation des Lasvit-Designers Martin Gallo, die die emotionale Resonanz von Wasser und seiner sich ständig verändernden fließenden Form betrachtet. Die Installation aus geschmolzenem Glas, bei der man gut und gerne zweimal hinsehen muss, wirkt wie eine eingefrorene Momentaufnahme und wurde so konzipiert, dass sie die Sinne anspricht und ein breites Spektrum an Assoziationen hervorruft – von der Ruhe eines stillen Teiches über die Freude von Kindern, die in Pfützen herumhüpfen, bis hin zur Kraft eines reißenden Flusses. Splash spiegelt die Wandelbarkeit des Wassers wider und überlässt dem Betrachter die Interpretation.
www.lasvit.com
Natur und Architektur
Auf einem hügeligen Grundstück in Karuizawa, mitten im Wald, befindet sich ein Wochenendhaus für eine Familie mit zwei Kindern. Der Entwurf von Oki Sato basiert auf einer großen Terrasse, die sich entlang eines Hangs erstreckt, stets das üppige Grün und den Blick auf den Berg Asama einbeziehend. Darauf verteilt befinden sich sechs kleine „Cottages” mit einer Größe von etwa 20 Quadratmetern, jedes leicht in eine andere Richtung ausgerichtet, einer Funktion wie Küche, Essbereich und Schlafzimmer zugewiesen und mit unterschiedlicher Dachhöhe, um sich der Landschaft anzupassen. Dabei sind sie sanft miteinander verbunden, wobei die Dächer harmonisch „Händchen halten”. Auf diese Weise entstehen kleine Räume mit unterschiedlichen Eigenschaften und Aufenthaltsqualitäten, die gleichzeitig ein Gefühl der Einheit unter einem Dach vermitteln. Das Haus wahrt einen respektvollen Abstand, den es für die Individualität jedes Familienmitglieds braucht, und gleichzeitig bleiben der Raumfluss und die einende Harmonie bestehen, wie eine Familie, die sich an den Händen hält.
www.nendo.jp
Sein und Schein
Die Wandgestaltung „Sipario“ von Materica, entworfen von Matteo Cibic, erinnert an das Geheimnis einer Theaterbühne und macht neugierig, das zu entdecken, was sich vermeintlich hinter dem Vorhang verbirgt. Die Boiserie mit Trompe-l'oeil-Effekt täuscht das Auge und regt die Fantasie an, indem sie Vorhänge zeigt, die im Licht lebendig zu werden scheinen. Ihre kühne, theatralische Ästhetik lädt den Betrachter dazu ein, in eine fingierte Welt einzutauchen, Räume zu vergrößern und Emotionen zu wecken. Die Optik entsteht durch das kreative Zusammenspiel verschiedener Verfahren und Techniken. Dazu gehören die Metallisierung durch Hochgeschwindigkeitsschmelzen und die Mikronisierung reiner Metalle – von Messing bis Bronze, von Kupfer bis Neusilber, von Aluminium bis Zink –, die mit Oxidation, Laserätzung, Harzbeschichtung und natürlicher Pigmentierung einhergehen. Materialschichten und verschiedene Verfahren sorgen dann für überraschende ästhetische Effekte.
www.materica.eu
Nadel und Faden
Seine Antriebsfeder waren die Liebe zum Detail, der Respekt vor der Tradition, die Neugier für das Neue und der tiefe Wunsch, es zu können: Graziano Giordani hat eine alte italienische Handwerkstechnik wiederbelebt, die den klingenden Namen „Acu Pingere“ – also das Malen mit der Nadel – trägt. Um sein Vorhaben in die Tat umzusetzen, hat er seine Nähmaschinen so umgebaut, dass er Holzoberflächen damit besticken kann. Dabei dringt die Nadel mit einem Metallfaden in das Holz ein und macht die Fläche zu einem dreidimensionalen, dekorativen Relief. Diese Kunst der Stickerei ermöglicht eine neue Interpretation zeitgenössischer Malerei, indem detaillierte technische Zeichnungen übersetzt und als ein Kunstwerk digitalisiert werden, um den Algorithmus der Stickmaschine zu programmieren. Die Möglichkeit der individuellen Gestaltung erstreckt sich auf jedes Detail, von der Auswahl der Garne über die Art des verwendeten Holzes bis hin zum Design der Stickerei selbst. Der Kunde wird zu einem integralen Bestandteil des Prozesses und hilft dabei, die Verwendung und den Ausdruck des Materials entsprechend den spezifischen Anforderungen des Projekts zu definieren. Die Ausstellung „Nullus Locus“ von Locatelli Partners, in der sämtliche Möbel, Wände und der Boden bestickt wurden, ist nun nach Mailand auch in New York zu sehen.
www.locatellipartners.com














