Umdenken statt Nachdenken

  • Ein experimentelles Wohnhaus: das Recyclinghaus in Hannover© Olaf Mahlstedt
  • Urban Mining Student Award Architektur: ein zum Umdenken motivierender Wettbewerb© Urban Mining Student Award Architektur

Die Devise muss sein: Nehmen, was da ist. Anders kann die Wende weg von Grauer Energie und Raubbau gar nicht mehr gelingen.

Das wird Schule machen

Errichtete Gebäude sind gigantische Rohstofflager, wenn man weiß, wie man damit richtig umgeht. Das richtige Recycling und eine recyclinggerechte Bauweise bilden die Grundvoraussetzung. Ein bisher in Deutschland einzigartiges Beispiel mit diesem zukunftsweisenden Umgang mit Materialien und anderen Ressourcen stellt das vom Architekturbüro „cityförster – architecture + urbanism“ geplante und 2019 fertiggestellte Recyclinghaus in Hannover dar, ein experimentelles Wohnhaus, das die Möglichkeiten und Potenziale verschiedenster Arten von Recycling im Reallabor austestet und einen kreislauforientierten, ressourcenschonenden Planungsansatz aufzeigt. 90 Prozent der Fassadenbekleidungen sowie alle Fenster und Außentüren wurden aus gebrauchten Bauteilen hergestellt. Auch im Innenausbau und bei den Freianlagen wurde fast vollständig auf gebrauchte Bauteile und Materialien zurückgegriffen – von Messebauplatten für Innenwände, -böden, -türen bis zu gebrauchten Betongehwegplatten als Estrichersatz auf Brettstapeldecken und als Rasensteine, -borde sowie als Mauer. Zusätzlich kamen Recyclingbaustoffe zum Einsatz, wie verschiedene Produkte aus dem Glasrecycling, verschiedene Recyclingsplitte oder eine Fassadendämmung aus recycelten Kakaobohnen-Jutesäcken. Darüber hinaus wurden auch recyclingfähige Bauprodukte wie leimfrei zusammengesetzte Massivholzelemente eingesetzt. Die Bauprodukte wurden recyclinggerecht verbaut und sind im Falle des Rückbaus also wieder weitgehend ohne Qualitätsverlust in ihre Bestandteile zerlegbar.
www.cityfoerster.net

Es ist nie zu früh

Es sind die 10 Fußballfelder zu viel, die täglich in Deutschland für den Abbau von Rohstoffen wie Sand, Kies, Ton oder Naturstein zerstört werden und Natur, Wasser, Boden und Landschaft nachhaltig schädigen. Es sind die 50 Prozent zu viel Abfall, die auf die Bauwirtschaft entfallen. Deshalb ist es höchste Zeit zu handeln. Der von den Architekten Annette Hillebrandt, Lothar Niederberghaus und Anja Rosen ins Leben gerufene Urban Mining Student Award Architektur sieht sich in seiner Rolle nicht nur als schon bei den Studenten zum Umdenken motivierender Wettbewerb, bei dem Konzepte, Ideen und Strategien zur Förderung einer konsequenten Kreislaufwirtschaft ausgezeichnet werden, sondern auch als Mahner in Hinblick auf einen Paradigmenwechsel. Gesucht wird nachhaltig intelligentes Design mit Fokus auf demontable Konstruktionen und recyclingfähige Materialien. Denn die Rückbaufreundlichkeit der Konstruktion und die Recyclingfähigkeit der Baustoffe stehen zusammen mit der Wiederverwendung gebrauchter Bauteile und einer hohen Reparaturfreundlichkeit im Vordergrund der Betrachtungen. Weitere Kriterien sind Flexibilität der Gebäudestruktur als Voraussetzung für Um- und Weiternutzungen, geringer Flächen- und Wasserverbrauch, möglichst hohe Gebäudeautarkie mit Low-tec-Lösungen für Betriebs- und Energieeffizienz sowie Förderung des Mikroklimas und der Biodiversität.
www.urbanminingstudentaward.de