Wohne lieber ungewöhnlich

  • Sanfte Hügel umrahmen das Pool und ragen bis an die Hauskante heran bzw. fließen unter dem Gebäude durch, wie beim auskragenden Fitness-Cube.© Foto oejab.at
  • Die neue, große Eingangshalle mit Glasdach lädt zu rauschenden Festen der gastfreundlichen Bauherren.© Rafael Wallace / Saint Gobain
  • Glasdach über der großen Halle: Zur Verbesserung der Raumakustik sind die verbleibenden Deckenflächen sowie die Wände mit Akustikelementen verkleidet.© Rafael Wallace / Saint Gobain
  • Fließende Übergänge zwischen Naturraum und Wohnraum bestimmen die Atmosphäre des Casa Movimento.© Rafael Wallace / Saint Gobain
  • Fließender Übergang zwischen Innen- und Außenraum. Die grünen Wellen scheinen in des Haus überzuschwappen.© Rafael Wallace / Saint Gobain
  • Gekonnte Inszenierung: Bei Nacht strahlt die helle, freundliche Atmosphäre des Hauses auch nach außen.© Rafael Wallace / Saint Gobain

Das Facelift einer Villa in Rio de Janeiro entwickelte sich zum umfangreichen Totalumbau, bei dem das Verhältnis von Architektur und Natur neu gedacht und inszeniert wurde.

Eigentlich wollten Aline Barros und Gilmar Santos ihr Haus nur ein wenig umbauen und modernisieren. Ursprünglich im Kolonialstil errichtet entsprach das Haus weniger in technischer Hinsicht als vielmehr was das äußere Erscheinungsbild betraf nicht mehr den Vorstellungen der Bauherren. Also wurde Architekt Felipe Cordeiro Martins mit seinem in Rio de Janeiro angesiedelten Büro fcm arqui+e+ura beauftragt, dem gesamten Gebäude ein neues Antlitz zu verleihen. Und das tat er – nach der gestalterischen Generalüberholung ist das Gebäude kaum wiederzuerkennen: Die Schwere der kolonialen Architektur ist einer luftigen Leichtigkeit gewichen, die dunklen, massiven Möbel wurden durch ein zeitgenössisches, helles und freundliches Interieur ersetzt, das mit der neuen Architektur Hand in Hand geht.

Außergewöhnliche Lage

Das Wohnhaus liegt in einem Landschaftsschutzgebiet in Barra da Tijuca, einem Stadtteil von Rio de Janeiro, der erst vor knapp 30 Jahren erschlossen wurde. Barra da Tijuca ist demnach ein sehr moderner Stadtteil, der Masterplan stammt von Lúcio Costa, der auch am Bau der brasilianischen Hauptstadt Brasilia beteiligt war. So gibt es auch hier breite Straßen, ausgedehnte Grünflächen, Apartmenthäuser, große Villen und die größten Einkaufszentren von ganz Latein-amerika. Charakteristisch für den jungen Stadtteil ist aber auch die geografische Aufteilung auf mehrere Lagunen, die durch Kanäle und Wasserstraßen miteinander verbunden sind. Außerdem verfügt er auch über einen eigenen Strand.

Der Natur Raum geben

Das in einem Landschaftsschutzgebiet gelegene Haus ist weiträumig von üppiger Vegetation umgeben. Bei der Neugestaltung ließ sich Felipe C. Martins vom grünen Umfeld inspirieren. „Manchmal ist es erforderlich, die Architektur ‚stiller‘ zu machen, um die Natur in ihrer Ursprünglichkeit wieder erlebbar zu machen“, beschreibt der Architekt seinen Planungsgrundsatz.

Innen und außen verbunden

Um mehr Licht in die vormals dunklen Räume zu bekommen, wurde das gedeckte Dach durch ein Glasdach ersetzt. Der Himmel bildet die neue Decke in der großen Eingangshalle, an die in fließendem Übergang die anderen Räume anschließen. Fließend ist aber auch die Grenze zwischen Innen- und Außenraum. Große Glasschiebewände öffnen die Räume nach außen und holen Licht, Luft und Natur in den Innenraum. Verstärkt wird der Effekt, indem die Freiraumbegrünung in Form von sanften Hügeln bis an die Gebäudekante herangeführt wird und wie eine grüne Welle ins Haus überzuschwappen scheint bzw. sich unter dem Haus durchzieht. Wie zum Beispiel beim Fitness-Cube, der in Form einer auskragenden Plattform knapp über dem Boden schwebt und zudem auch noch rundum stützenlos verglast ist.

Bautechnische Herausforderung

ine der Hauptaufgaben für den Architekten war es, offene Räume mit einladender Atmosphäre zu schaffen für Partys und Veranstaltungen mit Musik für zahlreiche Gäste. Die neue, offene und zweigeschoßige Eingangshalle erfüllt all diese Anforderungen vonseiten der Bauherren. Mit seinen harten Oberflächen – Steinboden, Glasdach, Glasfronten – stellte dabei die Raumakustik die größten Anforderungen an die Bauausführung. Aus diesem Grund und auch für den Schallschutz zu den anschließenden Räumlichkeiten wurden alle an die Halle angrenzenden Wände in Trockenbau als Schallschutzwände und zusätzlich mit Akustikelementen ausgeführt. In den an die Halle angrenzenden Räumen wurden zusätzlich auch alle Decken mit Big Quattro sowie Rigitone Akustiklochplatten ausgestattet. Damit steht rauschenden Partynächten nichts im Wege – während Nachbarschaft und Natur rundum dabei trotzdem zur Ruhe kommen können.

Wohnhaus Casa Movimento Barra da Tijuca, Rio de Janeiro/Brasilien  
Bauherren: Aline Barros und Gilmar Santos, Barra da Tijuca, Rio de Janeiro
Architektur: Felipe Cordeiro Martins, fcm arqui+e+ura, Rio de Janeiro
Generalunternehmer: MA Carvalho Construtora, Rio de Janeiro
Wohnnutzfläche: 7.860 m2
Beginn Umbauarbeiten: Juli 2009
Fertigstellung: März 2011