Centre Pompidou der Musik

  • Philharmonie, Paris
    Philharmonie, Paris
    © 2015 Raphael Demaret
  • La Grande Salle
    La Grande Salle
    La Grande Salle – der große Konzertsaal – ist das akustische Herz der neuen Philharmonie. Eine 10 cm dicke Gipsschicht verleiht dem Saal Massivität und seine ausgezeichnete Akustik. © 2015 Raphael Demaret
  • Die Balkone für die Ränge im Zuschauerraum
    Die Balkone für die Ränge im Zuschauerraum
    Die Balkone für die Ränge im Zuschauerraum schweben vor den Wänden und hüllen die Zuschauer in ein einzigartiges Klangerlebnis.© 2015 Raphael Demaret
  • Ein einzigartiges Klangerlebnis
    Ein einzigartiges Klangerlebnis
    Die Balkone für die Ränge im Zuschauerraum schweben vor den Wänden und hüllen die Zuschauer in ein einzigartiges Klangerlebnis.© 2015 Raphael Demaret
  • Schallabsorber aus faserverstärktem Gips
    Schallabsorber aus faserverstärktem Gips
    Annähernd 6.000 Stück kubische, von Hand gefertigte Schallabsorber aus faserverstärktem Gips wurden im Innenraum der großen Konzerthalle versetzt.© 2015 Raphael Demaret
  • La Grande Salle
    La Grande Salle
    La Grande Salle – der große Konzertsaal – ist das akustische Herz der neuen Philharmonie. Eine 10 cm dicke Gipsschicht verleiht dem Saal Massivität und seine ausgezeichnete Akustik. © 2015 Raphael Demaret
  • La Grande Salle
    La Grande Salle
    La Grande Salle – der große Konzertsaal – ist das akustische Herz der neuen Philharmonie. Eine 10 cm dicke Gipsschicht verleiht dem Saal Massivität und seine ausgezeichnete Akustik. © 2015 Raphael Demaret
  • La Grande Salle
    La Grande Salle
    La Grande Salle – der große Konzertsaal – ist das akustische Herz der neuen Philharmonie. Eine 10 cm dicke Gipsschicht verleiht dem Saal Massivität und seine ausgezeichnete Akustik. © 2015 Raphael Demaret
  • Die Balkone für die Ränge im Zuschauerraum
    Die Balkone für die Ränge im Zuschauerraum
    Die Balkone für die Ränge im Zuschauerraum schweben vor den Wänden und hüllen die Zuschauer in ein einzigartiges Klangerlebnis.© 2015 Raphael Demaret
 

Sie ist ein Ort der Begegnung von Hochkultur und Populärmusik: klassische Symphonien, Rock, Pop, Jazz und World Music. Das breit gefächerte Angebot der neuen „Philharmonie de Paris“ soll Zuschauer aller Altersklassen und Couleur anlocken und die rund 2.400 Zuschauerplätze ganzjährig auslasten. Herzstück des neuen Gebäudes ist die „Grande Salle“ – der große Konzertsaal, der vollständig in Gips gehüllt ist.

Im Jänner 2015 öffnete die neu errichtete „Philharmonie de Paris“ mehr oder weniger fertiggestellt ihre Pforten. Der verfrühte Eröffnungstermin war dem Bestreben der Politik geschuldet, vor dem Hintergrund des Terroranschlags auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ ein deutliches Zeichen für die Freiheit und Unabhängigkeit der Kunst zu setzen. Zudem musste das Projekt, das ursprünglich schon 2012 fertiggestellt sein sollte, dessen Eröffnung bereits zweimal aufgeschoben wurde und das durch eine satte Verdopplung der Baukosten in den französischen Medien für Negativschlagzeilen sorgte, endlich zu einem positiven „Abschluss“ gebracht werden. Sehr zum Unwillen des großen französischen Architekten Jean Nouvel, der dafür bekannt – berüchtigt – ist, dass seine Bauwerke mitunter den vor dem Bau veranschlagten Zeit- und Kosten-rahmen sprengen. Bekannt ist Nouvel aber auch als Meister der Gestaltung, der Materialwahl und Farbkomposition und diesem Ruf wurde er auch bei der Philharmonie mehr als gerecht. 

Kultur für alle  

Mittlerweile sind alle Klein- und Nebenbaustellen im und am Gebäude abgeschlossen und das philharmonische, architektonische Meisterwerk vollendet. 37 Meter hoch ragt die futuristische Bau-skulptur mit ihrer schillernden Fassade wie ein Fels für musikalischen Hochgenuss in die Pariser Vorstadtbrandung. Die neue Philharmonie ist Herzstück der „Cité de la musique“ im „Parc de la Villette“, einem groß angelegten Stadtpark im Nordosten von Paris. Nahe der Arbeitervorstadt Pantin und mitten im Arbeiterbezirk des 19. Arrondissement gelegen, ist die Wahl des Bauplatzes für ein Konzerthaus, das sich vorwiegend der klassischen Musik widmet, eher ungewöhnlich. Dieser offensichtliche Widerspruch ist jedoch Teil des Konzepts Kultur für alle zugänglich zu machen und ganz neue Publikumsschichten anzusprechen. Damit dieser kulturpolitische Gegensatz auch funktioniert, verlangte die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo eine große Zahl von Rock, Pop-, Rap- und World-Music-Konzerten und so gibt es statt der jährlich 270 geplanten klassischen Symphoniekonzerte letztendlich nur 150, um auch dem alternativen Musikprogramm eine angemessene Plattform zu bieten. „Ein Haus ohne Hemmschwellen“ wollte Laurent Bayle, künstlerischer Leiter der Philharmonie, realisiert wissen. Als „Centre Pompidou der Musik“ beschreibt daher auch Jean Nouvel seine architektonische Komposition.  

Reichhaltiges Raumprogramm

Dem breit angelegten Wunschpublikum der Philharmonie wird abseits der Konzertveranstaltungen ein reichhaltiges Raum- und Nutzungsangebot  gemacht: Neben dem großen Konzertsaal für rund 2.400 Besucher bei Bestuhlung stehen unter anderem 15 Proberäume für Nachwuchsmusiker, eine ganztägig nutzbare und mit wechselndem Programm bespielte Ausstellungsfläche von rund 800 Quadratmetern, rund 2.000 Quadratmeter für Bildungs- und Jugendarbeit oder auch ein Restaurant samt Außenterrasse und Blick auf das Stadtzentrum auf dem Dach der Bauskulptur zur Verfügung.

Spektakuläre Architektur in der Vorstadt

Insgesamt 340.000 Aluminiumplatten in unterschiedlicher Größe der Silhouette von Vögeln nachempfunden und schuppenartig übereinandergeschichtet, bilden die äußere Hülle, in der sich je nach Standort das Grün des Parks oder das Blau des Himmels widerspiegeln. Zur Ringautobahn hin präsentiert eine senkrechte Projektionswand das Tages- und Abendprogramm der Philharmonie und macht sie in den Abend- und Nachtstunden zu einem leuchtenden Orientierungspunkt und zum neuen Wahrzeichen der Vorstadt.

Der Großteil des überdimensionalen Gebäudes befindet sich in den Obergeschoßen, damit auf ebener Erde ausreichend Raum für einen öffentlichen Platz in der Verlängerung des Parks zur Verfügung steht. Dieser frei zugängliche Unterstand für alle Parkbesucher dient den Besuchern als wettergeschützter Freibereich und führt direkt zu einem der Haupteingänge. Die Offenheit der Architektur soll den offenen Charakter gegenüber allen Publikumsschichten widerspiegeln und helfen, Hemmschwellen zu überwinden. Die Hallen und Empfangsbereiche sind als halböffentliche Treffpunkte gestaltet. Die Ausstellungsfläche samt Shop lädt zum Flanieren ein, das Café und das Restaurant auf dem Dach zum Essen, Trinken und Verweilen. Rund um den großen Konzertsaal befinden sich weitere Aufenthalts- sowie Arbeitsbereiche für Gastmusiker oder das hauseigene Orchester. Auf den knapp 2.400 Quadratmetern können mehrere Orchester gleichzeitig proben. 

Außen hart – innen weich

La Grande Salle – die große Konzerthalle – ist das architektonische und akustische Herzstück des Gebäudekomplexes und stellte für die Planer wie Ausführenden gleichermaßen die größte Herausforderung dar. Der kantigen, metallischen Hülle setzte man mit seinen fließenden Formen und matten Oberflächen in cremeweißem Farbton ein weiches Inneres gegenüber.

Die Bühne liegt im Zentrum des Saals, das Publikum umgibt die Akteure, wobei die größte Distanz zwischen dem am weitesten entfernten Zuschauer und dem Dirigenten lediglich 32 Meter beträgt. Die Ränge des Saals sind wie Gondeln vor die Rückwände des Saals gehängt. Das Publikum wird im wahrsten Sinne des Wortes von der Musik umhüllt. Die akustischen Reflektoren sind mittels Stahlseilen von der Decke abgehängt, schweben wie Wolken im Raum, brechen und reflektieren den Schall und streuen das Licht der indirekten Beleuchtung. 

Gips sorgt für Akustik von Weltklasse

Die neue, größte Konzerthalle des Landes sollte auch mit entsprechender Akustik bestechen. Dafür war neben Klangklarheit auch eine hohe Nachhallzeit mit signifikanten seitlichen Reflexionen gefordert. Aus diesem Grund hat das Architektenteam in enger Abstimmung mit der Akustikplanung die Ränge als „schwimmende“ Balkone ausgebildet, die vor die Rückwände gehängt sind. Das ausführende Trockenbauunternehmen „Ile de France Plâtrerie“ wurde beauftragt, die komplett asymmetrische, bis zu 26 Meter hohe Hülle der Grande Salle mit einer 10 Zentimeter dicken Gipsschicht ein- zupacken. Zusätzlich wurden fast 6.000 Stück kubische Schallabsorber aus faserverstärktem Gips versetzt. Die dicke Gipsschicht bringt es auf ein Gewicht von 100 Kilogramm Putzmaterial pro Quadratmeter und verleiht der Konzerthalle ihre Massivität. Die faserverstärkten Gipsmodule bzw. -würfel erzeugen einen dreidimensionalen Schall-effekt, der sowohl für die hohe Klangklarheit als auch für die gute Nachhallzeit von zwei bis 2,3 Sekunden sorgt. Die Putzwürfel wurden in sieben verschiedenen Formen manuell gefertigt und exakt nach Plan versetzt, um auch den ästhetischen Anforderungen des Architekten zu genügen. Dieser völlig neue Prozess, Akustik und Ästhetik in einem System gleichwertig zu verbinden, erforderte eine eigene technische Zulassung.

Neben der baulichen war vor allem die vergleichsweise kurze Bauzeit die größte Herausforderung für das Putz- und Montageteam.  25 Monteure arbeiteten im Schichtbetrieb durchgehend 24 Stunden, sieben Tage die Woche, um das Projekt pünktlich im vorgegebenen Zeit- rahmen fertigzustellen.  

Bautafel
Fläche des Konzertsaals: 2.200 m2
Klangvolumen: 30.500 m2
Symphoniekonfiguration: 2.400 Zuschauer
Stehplatzkonfiguration: 3.650 Zuschauer
Maximale Entfernung Zuschauer – Bühne: 32 m
Pädagogikbereich: 1.800 m2
Ausstellungsbereich: 800 m2
Proberäume: 2.300 m2
Verwaltungsräume: 1.700 m2
Technik- und Logistikbereiche: 1.900 m2
 
Fakten:
Philharmonie de Paris 221 avenue Jean Jaurès, Paris 19. Arr.
 Bauherr: Association Philharmonie de Paris, Paris  
Architektur:   Jean Nouvel, Paris    
Innenausbau: Lindner Group KG, Arnstorf/D in Zusammenarbeit mit dem französischen Tochterunternehmen Ile de France Plâtrerie, Paris.
Akustik: Nagata Acoustics, Japan
 
Bruttogeschoßfläche: 67.483 m2
Nutzfläche: 39.642 m2
Wettbewerb: 2007
Baubeginn: 2015
Eröffnung: Jänner 2015