Patent(iert)es Bausystem

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    © Kallingerprojekte
  • Patentiertes Bausystem „Slim Building“.
    Patentiertes Bausystem „Slim Building“.
    Mit Home 21 in Wien Floridsdorf wurde ein Projekt realisiert, das für besonders kostengünstiges Wohnen steht. Basis dafür ist das patentierte Bausystem „Slim Building“.© Kallingerprojekte
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    Knapp 60 Prozent des Grundstücks sind als Frei- und Begegnungsflächen konzipiert, die einen wesentlichen Beitrag zum gelingenden Zusammen-leben leisten sollen.© Kallingerprojekte, Kallco
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    Knapp 60 Prozent des Grundstücks sind als Frei- und Begegnungsflächen konzipiert, die einen wesentlichen Beitrag zum gelingenden Zusammen-leben leisten sollen.© Kallingerprojekte, Kallco

In Wien-Floridsdorf wurde vor kurzem das erste Projekt der Wiener Wohnbauoffensive im Rahmen des „Sofortprogramms“ der Bundeshauptstadt fertiggestellt: HOME 21 bietet temporäres Wohnen vor allem für junge Wienerinnen und Wiener zum unschlagbaren Mietpreis von lediglich 7,50 Euro pro Quadratmeter – Betriebskosten und Steuern inklusive. Möglich macht das ein patentiertes Bausystem, das von Winfried Kallinger – Gründer der KALLINGER PROJEKTE Bauträger Gruppe –  entwickelt wurde.  



Im Jänner 2017 starteten die Bauarbeiten für das Wohnbauprojekt HOME 21 auf einem ehemaligen Gewerbegebiet in der Siemensstraße im 21. Wiener Gemeindebezirk. Über 12.000 Quadratmeter Nutzfläche wurden im Laufe des vergangenen Jahres buchstäblich aus dem Boden gestampft. Die Planungen starteten im Sommer 2016 und waren innerhalb eines halben Jahres abgeschlossen. Entsprechend zügig verliefen auch sämtliche Genehmigungsverfahren durch die zuständigen Magistratsabteilungen, so dass bereits im Mai des vergangenen Jahres – nur knapp vier Monate nach dem Baustart – bereits die Dach-gleiche gefeiert werden konnte. Knapp ein Jahr später zogen vor kurzem die ersten Mieter ins neue Gebäude ein.



Gemischte Nutzung

HOME 21 besteht aus zwei Bauteilen mit Rankgerüsten für die Begrünung der Fassade. Der Großteil der Wohnungen wurde als 1- bis 3-Zimmer-Appartements konzipiert, ein deutlich kleinerer Anteil größerer Wohneinheiten rundet das Spektrum an verfügbarem, neuem Wohnraum ab. Mit optimierten und praktischen Grundrissen entspricht das Projekt genau den Vorgaben seitens der Stadt Wien an Smart-Wohnungskriterien. Als privater Freiraum verfügt jede Wohneinheit über einen eigenen Balkon oder eine Terrasse. Für alle neuen Mieter gemeinschaftlich nutzbar wurden knapp 60 Prozent der Grundstücksfläche als Freiraum und Begegnungsfläche gestaltet. Diese sollen einen wesentlichen Beitrag leisten zum gelingenden Zusammenleben der sehr unterschied-lichen Bewohner mit sehr unterschiedlichen Bedürfnissen. In der Erdgeschoßzone ist Platz für kleine Gewerbebetriebe und Dienstleistungsunternehmen vorgesehen. Außerdem befinden sich hier ebenerdig auch Lagerräume, Kinderwagen- und Fahrradabstellplätze für insgesamt fast 400 Fahrräder sowie einige der 165 Pkw-Stellplätze.  


Wohnraumschaffung

„Der Wohnungsdruck in Wien ist enorm, die hohen Mieten sind vor allem für junge Menschen und Alleinerziehende kaum noch leistbar. Das kann man so nicht hinnehmen“, ist Winfried Kallinger überzeugt. Vor diesem Hintergrund bemüht sich die nunmehr unter dem Namen KALLINGER PROJEKTE zusammengefasste Bauträgergruppe bereits seit Jahren um die Schaffung von leistbarem Wohnraum in der Stadt, der sowohl Kosteneffizienz als auch hochwertige Qualität bietet. Dieser Anspruch war auch ausschlaggebend, sich als einziger privater Bauträger im Rahmen des Sofortprogramms der Stadt Wien mit einem Projekt zu beteiligen. Von den im Rahmen des Programms geplanten 1.000 Wohnungen wurden mit dem aktuellen Projekt in Floridsdorf bislang alleine durch KALLINGER PROJEKTE fast ein Viertel aller Wohneinheiten errichtet. „Mit den geförderten Wohnungen in Schnellbauweise schaffen wir flexiblen und besonders kostengünstigen Wohnraum. Das ist vor allem für die wachsende Gruppe junger Wienerinnen und Wiener, die ihren Lebensmittelpunkt noch nicht festlegen wollen, aber auch für Menschen, die aus anderen Gründen temporären Wohnraum  suchen, eine attraktive Option“, betonte Bürgermeister Michael Ludwig in seiner damaligen Funktion als Stadtrat im Rahmen der Baugleiche.  Zwei ­Drittel der Wohnungen werden über die Wohnberatung Wien vergeben, das andere Drittel als betreute Einheiten über den Fonds Soziales Wien.


Patentiertes Bausystem

Mit HOME 21 wurde ein Pilotprojekt realisiert, das für flexiblen und besonders kostengünstigen Wohnraum in Wien steht. Basis dafür ist das patentierte Bausystem „Slim Building“.
„Mit rund 50 bis 55 Prozent stecken über die Hälfte der Gesamterrichtungskosten eines Gebäudes alleine im Rohbau. Will man die Kosten fürs Bauen und Wohnen senken, muss man bei der konstruktiven Struktur eines Gebäudes an-setzen“, ist Winfried Kallinger, Gründer der KALLINGER PROJEKTE Bauträger Gruppe, überzeugt. „Deshalb haben wir ein Bausystem entwickelt, das ich als die Überwindung des Plattenbaus sehe“, so Kallinger weiter. „Slim Building“ basiert auf der Idee und Grundlage der Rahmenbauweise, wobei vertikale Stahlstützen in Kombination mit Stahlbetondecken die tragende Struktur bilden. Statt dicker Betonstützen tragen im „Slim Building“ also wesentlich schlankere Formstahlstützen die einzelnen Geschoße, massive Bauteile kommen ausschließlich als Aussteifung für die Erdbebensicherheit bzw. im Bereich der Stiegenhäuser und Aufzüge zum Einsatz. Die Wände zwischen den Stützen können in allen erdenklichen, leichten Materialien ausgeführt werden. Die eigentliche Neuentwicklung des Systems stellt die Einbindung der Decken in die Stützen dar. Durch den Verzicht auf Konsolen oder Unterzüge können die Zwischenwände tatsächlich völlig frei im Raum positioniert werden. Daraus ergibt sich die hohe Flexibilität in der Nutzung, denn alle nichttragenden Wände können jederzeit entfernt und so Wohnungen völlig neu strukturiert werden.
Ein weiterer großer Vorteil des Bausystems sind die deutlich schlankeren Konstruktionen. Rund 30 Prozent beträgt der Unterschied zu Massivbaukonstruktionen. Damit kann bei gleicher Grundfläche wesentlich mehr Nutzfläche für Wohnraum generiert werden. Durch den geringeren Materialeinsatz ist auch der Logistikaufwand geringer, was sich in Summe auch positiv auf die Errichtungskosten auswirkt und letztendlich auch die günstigen Mietpreise erklärt.       



Wirtschaftliches Vorzeigeprojekt

Aber nicht nur in Hinblick auf die Bau- und Konstruktionstechnik setzt das Rahmenbausystem neue Maßstäbe, auch was die Wirtschaftlichkeit betrifft, besitzt es absoluten Vorbildcharakter. Die Gesamtkosten inklusive Baunebenkosten liegen bei etwa 1.350 Euro pro Quadratmeter Nutzfläche. Diese niedrigen Errichtungskosten werden im Home 21 unmittelbar auf die Miete umgelegt, die pro Quadratmeter Nutzfläche bei lediglich 7,50 Euro liegt, Betriebskosten und Steuern sind dabei schon eingerechnet. Auch Eigenmittel, wie sonst im geförderten Wohnbau üblich, werden von den Mietern hier nicht verlangt. Um die Leistbarkeit der Wohnungen für die Mieter auf Dauer sicherzustellen, sind beide Baukörper der Anlage im Niedrigenergiestandard errichtet, wobei die erforderliche Raumwärme über Fernwärme zur Verfügung gestellt wird. Die kompakte Bauweise trug dem Projekt die Zertifizierung klimaaktiv Gold ein. Dank einer intelligenten Erschließung kommt die gesamte Anlage mit lediglich drei Liften aus. Zur Reduktion der Kosten wurde zudem auf die Errichtung einer Tiefgarage verzichtet. Ein Teil der erforderlichen Parkplätze ist im Erdgeschoß untergebracht, der Rest als Abstellplätze im Freien.        


Fakten
HOME 21 Siemensstraße 142, 1210 Wien
241 geförderte Mietwohnungen für temporäres Wohnen
 Bauträger:
Kallco, Wien
Architektur:
trans_city ZT GmbH, Wien
Außenanlagen/Landschaftsarchitektur:
trans_city & Mag. Susanne Kallinger, Wien 
Kunstinterventionen: 
Assunta Abd el Azim Mohamed, München
Besiedlungsmanagement:
wohnpartner, Wien

Baubeginn:
Jänner 2017
Bezugstermin:
Anfang 2018
Monatliche Kosten:
ab € 7,50/m²
Gesamtbaukosten:
€ 16,1 Mio.
Förderungssumme der Stadt Wien:
€ 7,2 Mio.

Sofortprogramm der Stadt Wien
Das Sofortprogramm ist Teil der neuen Wohnbau-Offensive der Stadt Wien. Ein wichtiger Aspekt dabei ist, dass auch Grundstücke genutzt werden können, die nur temporär zur Verfügung stehen. Die Wohndauer ist hierbei auf einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren begrenzt. Die qualitativ hochwertigen Bausysteme, z. B. aus Holz oder Leichtbeton, lassen sich darüber hinaus in einer rascheren Bauzeit errichten. Ab Baureife des Grundstücks findet die Errichtung in etwa sechs bis zwölf Monaten statt. Das ist zumindest doppelt so schnell wie bei einer konventionellen Bauweise. Die Nachhaltigkeit ist dadurch gewährleistet, dass die Konstruktion bzw. Teile davon nach Ablauf der Nutzung andernorts erneut aufgebaut oder recycelt werden können. Die Verwendung von unterschiedlichen Baumaterialen lässt optimal zugeschnittene Lösungen für die jeweiligen Grundstücke, aber auch genügend Spielraum für innovative und vielfältige Architektur zu. Die Stadt beweist mit diesem einzigartigen Angebot für qualitätsvolles temporäres Wohnen erneut europaweit ihre Innovationskraft und Vorreiterrolle.
Voraussetzung für eine Wohnung aus dem Sofortprogramm (temporäres Wohnen) ist das Wiener Wohn-Ticket.