Weil wir lernen, was wir hören

  • Sacré Coeur in Wien Pressbaum
    Sacré Coeur in Wien Pressbaum
    Die Schule des Sacré Coeur-Ordens in Wien Pressbaum blickt auf 200 Jahre Unterrichtserfahrung zurück. Mit gezielten Maßnahmen zur Verbesserung der Akustik und Sprachverständlichkeit in den Unterrichtsräumen werden jetzt neue Wege zur Qualitätssteigerung der Bildung am Standort beschritten. © Christopher Kelemen
  • Vorher – nachher: Der Vergleich macht sicher!
    Vorher – nachher: Der Vergleich macht sicher!
    Anfang April wurden Journalisten und Bauexperten ins Sacré Coeur nach Pressbaum eingeladen, um den Unterschied zwischen einem konventionellen Klassenzimmer und einem akustisch optimierten Klassenraum mit eigenen Ohren zu erleben.© Christopher Kelemen

Im April lud RIGIPS zum Lokalaugenschein – oder besser zur „Hörprobe“ – und erbrachte vor Ort den Beweis, wie sich bessere Sprachverständlichkeit auf die Qualität des Unterrichts auswirkt.

Über 90 Prozent des Tages verbringen Menschen in hochentwickelten Industrieländern in Innenräumen. Die Akustik stellt dabei einen der wesentlichen Parameter für das Wohlbefinden dar. „Viele Menschen leiden – bewusst oder unbewusst – unter schlechter Akustik: Das ist nicht notwendig! ‚Ruhe‘ ist heute eines unserer wichtigsten Schwerpunktthemen, wenn es darum geht, Räume mit Wohlfühlqualität zu schaffen“, weiß RIGIPS Produktmanagerin Martina Hensel. 

Besser hören – leichter lernen

Besondere Bedeutung bekommt die Akustik, wenn es darum geht, (junge) Menschen zu unterrichten. Denn schlechte Raumakustik führt nicht nur zu einem Unwohlsein, sondern beeinträchtigt massiv das Lernvermögen. Aktuelle Untersuchungen belegen, dass es in Klassenzimmern mit erhöhtem Schallpegel unter den Schüler/innen verstärkt zu aggressivem und unkooperativem Verhalten kommt. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie des TGM, an der über 620 Lehrer/innen aus ganz Wien teilgenommen haben. „Die Studie belegt die Unzufriedenheit der Lehrenden mit ihren Arbeitsräumen. Rund 60 Prozent der Befragten gaben an, dass Klassenräume nicht so ausgestattet sind, dass man sich darin wohlfühlt. Zwei Drittel sind vor allem auch mit der Akustik in der Klasse wenig bis gar nicht zufrieden und sogar ein Drittel ist regelmäßig nach dem Unterricht heiser“, berichtet Herbert Müllner, Leiter des Fachbereichs für Akustik und Bauphysik an der TGM-Versuchsanstalt, im Rahmen der Führung durchs Sacré Coeur.  

Schule als Praxisbeispiel 

Das Schulgebäude in Pressbaum zeichnet sich durch seine hellen und vor allem hohen Räume aus. Positiv für die allgemeine Raumwirkung schafft die Höhe aber im Hinblick auf die Akustik Probleme. Selbst bei Vollbelegung bewirken die schallharten Oberflächen in Verbindung mit der Raumhöhe vergleichsweise lange Nachhallzeiten, was sich vor allem auf die Sprachverständlichkeit negativ auswirkt.  

In Kooperation zwischen dem TGM, RIGIPS Austria und dem Sacré Coeur wurden entsprechende Maßnahmen zur akustischen Ertüchtigung von zwei Klassenräumen bis ins Detail geplant und realisiert. Der Anordnung der einzelnen Paneele sind dafür einige Tests und zahlreiche Berechnungen vorangegangen. Die entsprechenden Simulationen zeigten, dass mit einer Kombination aus gelochten Gyptone Point 80 mit ungelochten Gyptone Base 38 der größte Erfolg in Hinblick auf die Verbesserung der Sprachverständlichkeit erzielt werden konnte. 

Der Vergleich macht sicher 

Nach der Montage der Gips-Paneele wurde die Nachhallzeit erneut gemessen. Vor dem Einbau lag die Nachhallzeit im Frequenzbereich von 500 bis 2.000 Herz bei über zwei Sekunden, was laut Müllner den raumakustischen Verhältnissen eines Kirchenraumes schon sehr nahekommt. Im Zuge der akustischen Optimierung wurde die Nachhallzeit drastisch reduziert sowie der Sprachverständlichkeitsindex (STI) deutlich verbessert und von der Note „schlecht“ auf „ausgezeichnet“ gedreht.         

Akustik gehört gehört … 

… dachten sich die Produktexperten von RIGIPS Austria und die Akustikspezialisten des TGM und luden Anfang April Journalisten und Bauexperten zur Hörprobe. Nur der Vergleich macht sicher, war die Idee, die hinter der Einladung steckte, und so wurden die Besucher in zwei fast identische Klassenzimmer geführt: jeweils ca. 8 mal 8 Meter Grundfläche, drei Fensterachsen, Putzoberflächen und Parkettböden. Einziger Unterschied: Einer der Klassenräume ist mit Gyptone Schalldämm-Paneelen ausgeführt, der andere nicht. Auch ohne schalltechnische Berechnungen, Simulationen und Sprachverständlichkeitsindex war der Unterschied beim Kurzvortrag von Herbert Müllner deutlich hörbar – und das bis in die letzte Reihe bei annähernd gleich hoher Qualität der Sprachverständlichkeit. 

So lautet auch wenig verwunderlich eine der wesentlichen Erkenntnisse der Lehrerstudie: „Zur angemessenen Unterstützung der Lehrkräfte sind raumakustisch optimierte Klassen heute unabdingbar. Die akustische Ertüchtigung von Klassenräumen kann zudem technisch und kosteneffizient durch eine entsprechende Planung umgesetzt werden. Gleichzeitig wurde aber am Beispiel des Sacré Coeur auch bewiesen, dass die normativ geforderte Nachhallzeit alleine nicht ausreicht, Klassenzimmer im Hinblick auf die Raumakustik bestmöglich zu gestalten. Erst die professionelle Dimensionierung hinsichtlich Lärmminderung und Sprachverständlichkeit kann das Potential der akustisch wirksamen Elemente voll ausschöpfen. Die akustische Optimierung von Unterrichtsräumen ist für Lehrer/innen und Schüler/innen gleichermaßen ein Gewinn und leistet einen nicht zu unterschätzenden Beitrag bei der Erreichung von Lernzielen.                     

Zitat:
"Gelungene Veranstaltung, die die Wirkung von Raumakustikmaßnahmen vor Ort erlebbar machte. Das Einladen verschiedener Parteien führte zu einem bunten und aufschlussreichen Austausch zwischen Planern, Nutzern und Bauherren.“

DI Kai Lange, BPH Ingenieurbüro für Bauphysik GmbH

 


Gesundheit am Arbeitsplatz – Stressfaktor Lärm

Auszug aus der Lehrerstudie der Versuchsanstalt TGM, Abteilung Akustik und Bauphysik: Im Rahmen der Onlinestudie wurden Lehrkräfte an Wiener Pflichtschulen zum Thema „Gesundheit am Arbeitsplatz – Stressfaktor Lärm“ befragt. Insgesamt 629 Lehrer/innen haben an der Studie teilgenommen.

Teilnehmer/innen

•          85,7 % weiblich und über 45 Jahre alt 

•          87 % unterrichten in einer öffentlichen Schule und 13 % in einer Privatschule 

•          76 % unterrichten in einer Volksschule oder Neuen Mittelschule (NMS)

Ergebnisse

•          Über die Hälfte der Befragten gibt an, dass man sich im Schulgebäude nicht wohlfühlt.

•          70 % sind mit der Ausstattung in Bezug auf die Arbeitsbedingungen unzufrieden.

•          Zwei Drittel geben an, dass Klassenräume nicht so ausgestattet sind, dass man sich darin wohlfühlt.

•          Obwohl das Klima zwischen den Lehrkräften überwiegend positiv eingeschätzt wird, fühlen sich 70 % im Lehrerzimmer nicht wohl. Dies wird eindeutig auf die Gestaltung der Lehrerzimmer zurückgeführt.

•          60 % der Lehrkräfte fühlen sich mehr als die Hälfte ihrer Arbeitszeit an der Schule durch Lärm belästigt, weiters gehören auch unangenehmer Geruch und stickige Luft zur täglichen Arbeit. 

•          25   % geben an, fast immer und 20 % der Befragten sagen immer durch Lärm beim Unterrichten gestört zu werden. 

•          70 % sagen, dass der Lärm in den Klassen permanent von Schüler/innen erzeugt wird, wovon sich 50 % der Lehrer/innen in ihrer Unterrichtstätigkeit gestört fühlen.  

•          60 % der Lehrenden erleben es als schwierig, aufgrund des Lärmpegels in den Klassen zu kommunizieren. Zwei Drittel sind mit der Akustik in der Klasse nicht zufrieden.

•          75 % geben an, mit hohem Stimmaufwand unterrichten zu müssen und ein Drittel ist nach dem Unterricht heiser.

•          56 % geben an, dass ihre Stimme oft überbelastet ist. 

Gesundheitliche Auswirkungen 

Der allgemeine Gesundheitszustand wird weniger gut eingeschätzt. Wenn die Raumakustik als gut bewertet wurde, wurde auch der Gesundheitszustand positiver bewertet. Demnach hat gute Raumakustik offensichtlich auch eine positive Auswirkung auf die Gesundheit. 

Ein direkter Zusammenhang zeigt sich auch zwischen Lärm und Klassenklima: Je lauter in der Klasse, umso höher ist das Aggressionspotential und umgekehrt nimmt mit sinkendem Lärmpegel die gegenseitige Unterstützung zu. 

Mit zunehmendem Lärmpegel steigt auch die Frustration unter den Lehrenden. Lebensjahre und Dienstalter stehen ebenfalls in direktem Zusammenhang mit der Lärmempfindlichkeit: Je länger im Dienst, umso lärmempfindlicher sind die Lehrenden.