Der komplexe Zusammenhang von Form und Funktion

  • Alexander Runser
    Alexander Runser
    Alexander Runser RUNSER/PRANTL architekten www.runser-prantl.at© privat
  • Auditorium Chicago
    Auditorium Chicago
    Das Auditorium Building von Louis Sullivan und Dankmar Adler, nahe dem Grant Park in Chicago, wurde 1889 eröffnet und 1975 zum National Historic Landmark erklärt.© Victorgrigas
  • Wainwrightbuilding
    Wainwrightbuilding
    Mit seiner vorausschauenden Planungs- und Konstruktionsweise war Louis Henri Sullivan ein wesentlicher Wegbereiter moderner Hochhausarchitektur.© Beyond My Ken
  • Carson
    Carson
    Sockelzone des Warenhauses „Carson Pirie Scott Building“, das auch als Sullivan Center bezeichnet wird. © Beyond My Ken
  • Louis Henri Sullivan
    Louis Henri Sullivan
    Louis Henri Sullivan, circa um das Jahr 1895© Wikimedia Commons

Die großen Brände in New York und Chicago im 19. Jahrhundert führten zur Entstehung einer neuen Architektur: Die Schule von Chicago. Einer der führenden Vertreter war Louis Henri Sullivan.

Bis ins 19. Jarhrhundert war Gusseisen eines der meist verbreiteten Baumaterialien für die Konstruktion von Hochhäusern. Die meisten auf diese Weise errichteten Gebäude wurden bei den großen Bränden zerstört. Als Konsequenz wurden Gusseisenelemente durch brandschutztechnisch verkleidete Stahlträger und -säulen ersetzt. Als führender Vertreter der Chicagoer Schule war Louis Henri Sullivan Wegbereiter dieser neuen Konstruktionsweise.

Während seines Studiums an der École des Beaux-Arts in Paris erwarb Sullivan durch Studienreisen nach Italien eine fundamentale, klassische Architekturausbildung. Die Beziehung von Architektur und Kultur waren ihm wichtig. Er betrachtete Gebäude nie isoliert, sondern immer in der Beziehung der Einzelteile zum Ganzen und zum übergeordneten städtebaulichen Raum. Was seine Gebäude auszeichnet, war seine persönliche, organisch geprägte Neigung – die Liebe zur Natur – die zu einer indi­viduellen Position im Ausdruck führte.

„Louis Henri Sullivan ist einer der führenden Vertreter der Chicagoer Schule. Sullivan hat zwar nicht das Meiste, aber das Beste gebaut.“ Alexander Runser von RUNSER/PRANTL architekten über Louis Henri Sullivan.

Louis Henri Sullivan
geboren am 3. September 1856 in Boston
gestorben am 14. April 1924 in Chicago
Louis Henri Sullivan übersiedelte nach seinem Studien-abbruch am MIT im Alter von gerade einmal 17 Jahren nach Paris, um dort an der École des Beaux-Arts sein Studium weiterzuführen. Gleichzeitig arbeitete er im Pariser Atelier von Émile Vaudremer, einem Vorreiter der Form-Follows-Function-Bewegung.
Seinen Abschluss machte Sullivan jedoch knapp zwei Jahre später in Italien und kehrte danach nach Amerika zurück. In Chicago heuerte er im Büro von William Le Baron Jenney an, der als einer der Väter des Hochhausbaus gilt. Die folgende Zusammenarbeit mit dem Ingenieur Dankmar Adler führte im Jahr 1881 zur Gründung des gemeinsamen Büros Sullivan & Adler, das prägend für die so genannte Chicagoer Architekturschule wurde. Die in den knapp zwei Jahrzehnten Zusammen­arbeit entstandenen Gebäude – darunter zahlreiche Hochhäuser – schrieben Architekturgeschichte. 
1895 stieg Adler aus dem Büro aus. 1899 gelang Sullivan mit der Planung und Errichtung des Warenhauses „Carson Pirie Scott Building“ – das ihm zu Ehren heute auch als Sullivan Center bezeichnet wird – die Realisierung eines letzten Großprojektes, das auch zu seinen bekanntesten Werken zählt. Nach der Jahrhundertwende war die Zeit der Chicagoer Schule vorüber und damit auch der berufliche Höhepunkt Sullivans überschritten.